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Gletschersee-Überwachung am Glacier de Rochemelon

 

 
     
 

Der Rochemelon-Gletscher liegt in den Savoier Alpen an der Grenze zwischen Frankreich und Italien auf einer nordwest-exponierten Felsflanke unterhalb des Pic de Rochemelon (3538 m.ü.M.). Er bedeckt auf einer Höhe zwischen 2950 und 3300 m.ü.M. eine Fläche von ca. 1.6 km2. Durch die Schnee- und Eisschmelze bildete sich seit 1980 am oberen Rand des Gletschers ein See, welcher bis im Jahr 2004 auf eine Fläche von 4.7 ha und ein Volumen von 650'000 m3 anwuchs.

Da zu Beginn der Neunzigerjahre der Gletscher als nördliche Begrenzung des Sees immer schneller abschmolz, drohte ein unkontrolliertes Abfliessen des Sees über den Gletscher oder gar ein Wegsprengen der Eisbarriere durch den hydrostatischen Druck des Seewassers. Im Herbst 2004 beschlossen die lokalen Behörden deshalb, dieses Gefahrenpotential zu beseitigen.

In einem ersten Schritt wurde der Seespiegel durch ein Syphon-System über den Gletscher um ca. 6 m abgesenkt, um die unmittelbare Gefahr des Überlaufen des Sees zu entschärfen. Zu diesem Zeitpunkt lag das Niveau der Eisbarriere am tiefsten Punkt nur noch ca. 30 cm über dem Seespiegel. Gleichzeitig mit dieser ersten Notfallmassnahme galt es für die Partnerfirmen AlpuG, Waljag und SensAlpin, innert weniger Tage ein Mess- und Alarmierungskonzept zu entwickeln, die dafür nötigen Anlageteile zu bauen und unter bereits sehr widrigen Witterungsbedingungen im Hochgebirge zu installieren. Das gewählte Lösungskonzept umfasste eine permanente Überwachung des Seespiegels sowie der Wassertemperatur auf zwei Niveaus. Bei einem abrupten Absinken des Seespiegels wurden verschiedene Warn- und Alarmstufen mit entsprechender Benachrichtigung der zuständigen Behörden ausgelöst.

Durch die Messstation (Bild 1) wurden die Daten von zwei Wassertiefe- und Temperatur-Sensoren erfasst und ausgewertet. Die Installation der Sensoren im Gletschersee erfolgte im November 2004 in einer spektakulären Aktion durch eine Taucherequipe der französischen Feuerwehr.

Neben der eigentlichen Messstation umfasste die Anlage ausserdem einen Funk-Repeater sowie eine Überwachungs-Zentrale und Relaisstation. Letztere wurde in der permanent besetzten Zentrale des Stausees am Col du Mont Cenis installiert. Durch den Zugriff auf den Zentralen-Rechner standen den lokalen Behörden jederzeit alle aktuellen Messdaten zur Verfügung. Ausserdem erfolgte neben der permanenten Überwachung durch das Staudamm-Personal auch eine direkte telefonische Alarmierung der Verantwortlichen im Falle des Eintretens verschiedener  vordefinierter Alarmbedingungen.

Im Sommer 2005 erfolgte dann die komplette Entleerung des Gletschersees durch einen ins Eis gesprengten Graben (Bild 2). Zur Überprüfung der Wirksamkeit dieser natürlichen Entleerung des Sees wurden die Sensoren im verbleibenden Wasser (Bild 3) neu installiert und die Messanlage noch ein weiteres Jahr betrieben.

Es zeigte sich, dass der natürliche Abfluss durch den Gletscher auch nach einem weiteren Winter offen blieb und seine Funktion weiterhin erfüllte. Deshalb wurde danach die Messanlage wieder demontiert und die Überwachung des Gletschersees auf periodische visuelle Kontrollen reduziert.

Nachfolgend zur Illustration ein Ausschnitt aus den Messdaten vom Lac de Rochemelon: